Warum gibt es in manchen Wäldern keine Pilze?

Warum gibt es in manchen Wäldern keine Pilze?

Heute, nach einem Wochenende an der Front der kollektiven Enttäuschung, möchten wir erklären, warum es in manchen Wäldern keine Pilze gibt. Wie oft ist es Ihnen schon passiert, dass Freunde, die „voll abgeräumt" haben mit Steinpilzen, Ihnen den genauen Ort ihrer reichen Ernte verraten – und Sie dort angekommen nichts finden? Vielleicht, wenn Sie Glück hatten, nur eine Handvoll unbedeutender Pilze und vielleicht ein, zwei verdächtige Arten, die selbst die Mutigsten nicht in die Pfanne wagen würden, weil sie wahrscheinlich giftig sind. Und so fragt man sich auf dem Rückweg beharrlich: Warum gibt es Wälder, die nie etwas hervorbringen?

Wir möchten Ihnen den Grund erklären – auch wenn Ihnen ein Teil davon vielleicht nicht gefallen wird.

 

Das Problem ist nicht, dass es in manchen Wäldern keine Pilze gibt, sondern dass bestimmte Lebensräume geschädigt sind

Beginnen wir mit einem Konzept, das die gängige Sichtweise auf den Kopf stellt: Wälder „produzieren" keine Pilze wie Bäume Äpfel produzieren. Die Pilze, die Sie sehen, sind lediglich die Fruchtkörper; unter der Erde mag zwar Myzel existieren, doch der Fruchtkörper erscheint nicht an der Oberfläche. Der eigentliche Organismus, die „Pflanze", wenn man so will, ist das Myzel, ein dichtes Netz aus weißen Fäden (Hyphen), das unterirdisch oder im Holz lebt.

Dieses Myzel lebt bei der überwiegenden Mehrheit der gesuchten Pilze (Steinpilze, Pfifferlinge, Täublinge usw.) nicht allein. Es lebt in einer mutualistischen Symbiose mit Bäumen. Der korrekte Fachbegriff lautet hier Mykorrhiza: Die Pilze umhüllen die Wurzeln der Bäume mit einem myzelartigen „Strumpf", liefern den Bäumen Wasser und Mineralstoffe (vor allem Phosphor), die diese allein nur schwer aufnehmen könnten, und erhalten im Gegenzug von den Bäumen Zucker (organische Substanzen) aus der Photosynthese.

Das bedeutet auch: Gibt es im Wald nicht die richtigen Baumarten in gesundem Zustand, können die Myzelen nicht gedeihen und richtig fruchtbar sein. Kein gesundes Myzel – keine Pilze. Dies ist eine Vereinfachung; tatsächlich sind zahlreiche Faktoren an diesem Phänomen beteiligt.

 

Der Fruchtzyklus der Pilze

Damit das Myzel Fruchtkörper bildet – also die erntereifen Pilze hervorbringt – müssen drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein, und das oft über einen längeren Zeitraum. Fehlt nur eine davon, wird klar, warum manche Wälder keine Pilze hervorbringen.

FaktorErforderliche BedingungHemmende Einflüsse
1. BodenbeschaffenheitRichtiger pH-Wert (für viele Arten leicht sauer), gleichmäßige – aber nicht stehende – Feuchtigkeit, lockere Struktur, humusreicher Untergrund.Bodenverdichtung (durch zu viele Sammler oder Tiere), anhaltende Trockenheit, Staunässe, aktiver Kalk, Umweltverschmutzung.
2. Pflanzliche PartnerVorhandensein der „richtigen", gesunden Baumarten. Bsp.: Steinpilz (Boletus edulis) mit Buche, Tanne, Eiche, Kastanie.Radikale Kahlschläge, Baumkrankheiten (z. B. Kastanienkrebs), zu junge oder zu alte Wälder, Monokulturen.
3. WitterungsbedingungenAusgewogenes Verhältnis von Regen (keine Stürme) und Wärme. Typischerweise: anhaltende Regenfälle + 5–10 Tage mit kühlen Nächten und milden Tagen (15–20 °C).Frost, trockener Wind, übermäßige Hitze nach Regen („kocht" das Myzel), sintflutartige Regenfälle, die Nährstoffe auswaschen.

Denken Sie nun an Ihre eigenen Sammelgebiete. Wie oft waren im letzten Jahr alle drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt? Genau.

 

Der Waldboden: ein entscheidender Akteur

Unerfahrene Sammler schauen zu den Bäumen. Erfahrene Pilzkundler beobachten den Boden. Die Bodenbeschaffenheit bestimmt maßgeblich die Pilzentwicklung. Hier einige praktische Beispiele aus Forschung und Fachliteratur:

  • verdichtete Lehmböden: speichern viel Wasser, ersticken bei zu starker Verdichtung jedoch das Myzel. Nach Regenfällen ideal, doch im Sommer reißen sie auf und trocknen den Unterboden aus. Die Erträge fallen „schubweise" aus – explosiv, aber kurzlebig;
  • sandige oder steinige Böden: lassen Wasser zu schnell abfließen. Das Myzel leidet unter Durst. Es braucht gleichmäßige, nicht sintflutartige Niederschläge. Oft nährstoffarm;
  • kalkhaltige (alkalische) Böden: eine Herausforderung für viele Arten. Ein hoher pH-Wert (basisch) schadet Steinpilzen und den meisten begehrten Pilzarten. Allenfalls Feldchampignons oder einige an Kalk angepasste Röhrlinge sind zu finden. Sichtbare weiße Kalkfelsen deuten auf geringe Erträge hin;
  • humusreiche, lockere Böden: luftig, feuchtigkeitsspeichernd ohne Staunässe, voller Leben (Bakterien, Insekten), die Laubstreu in Nährstoffe umwandeln. Hier gedeiht und breitet sich das Myzel optimal aus – mit üppiger Fruchtkörperbildung.

Eine Studie der Region Piemont, basierend auf 100 Messstationen, zeigt: Wälder mit mittelkörnigem Boden und hohem Humusgehalt brachten bei gleichen klimatischen Bedingungen 300 % mehr Fruchtkörper (nach Gewicht) hervor als Wälder mit armem, verdichtetem Boden.

 

Waldbewirtschaftung

Leider unterliegen Wälder ständigen Eingriffen – oft durch den Menschen. Ein weiterer Grund für pilzarme Bestände:

  • Kahlschlag: Alle Bäume werden gefällt. Die Wurzeln sterben – und mit ihnen große Teile des symbiotischen Myzels. Bis sich das Gleichgewicht wiederherstellt, vergehen Jahrzehnte – erst wenn die neuen Bäume gewachsen sind und das Myzel sich neu angesiedelt hat;
  • Selektive Durchforstung: fachgerecht ausgeführt (Entnahme kranker oder alter Bäume bei Erhalt gesunder Exemplare) kann sie die Fruchtbildung sogar anregen, indem sie das Myzel leicht „stresst", das darauf mit Fruchtkörperbildung reagiert. Eine höchst sensible Maßnahme;
  • Aufforstung mit Nadelholz-Monokulturen: In den 1960er–70er Jahren pflanzte man überall Fichten – auch dort, wo sie nicht heimisch waren. Der Boden versauert stark, das Nadelstreu zersetzt sich nur langsam. Vielleicht erscheinen einige koniferspezifische Pilze (z. B. Lactarius deliciosus), doch die gesamte Pilzvielfalt nimmt ab;
  • Intensivweide: Tiere (Schafe, Rinder) verdichten den Boden mit ihren Hufen, fressen Gras und Jungpflanzen und … düngen. Der Mist verändert die Bodenchemie: Kot liebende Saprobionten profitieren, während symbiotische Beziehungen oft Schaden nehmen.

 

Klima: ein großes, modernes Problem

Wir betreten hier das brisante Feld des Klimawandels. Es ist keine Theorie mehr – es ist offensichtlich. Die „Jahreszeiten", in denen Pilze wuchsen, sind nicht mehr dieselben wie vor 20 Jahren – ein weiterer Grund für pilzleere Wälder …

KlimaphänomenAuswirkung auf PilzeErnteergebnis
Extreme Frühjahre (trocken/überschwemmt)Das Myzel „erwacht" schlecht. Bei Trockenheit dehydriert es; bei Überschwemmung gerät es unter Stress.Schwache oder ausgefallene Frühjahrsernte (Morcheln, Mai-Pilze).
Lange, trockene SommerDas Myzel tritt in erzwungene Ruhephase ein, zieht sich tief zurück.Nach ersten Herbstregen dauert die Reaktivierung Wochen. Die Saison verschiebt sich nach hinten und verkürzt sich.
Herbst mit heftigen TemperaturschwankungenFür die Fruchtbildung braucht das Myzel einen konstanten Tag/Nacht-Temperaturunterschied – keinen thermischen Schock.Unregelmäßige Erträge, „Zwergpilze" oder Missbildungen. Das Myzel erkennt nicht, wann der optimale Zeitpunkt für Fruchtkörper gekommen ist.
Sehr milde WinterDas Myzel ruht nicht richtig aus, erschöpft sich. Parasiten, die früher durch Frost abstarben, überleben nun.Folgesaisonen werden zunehmend schwächer. Exotische oder subtropische Arten tauchen auf – zulasten der heimischen Vielfalt.

 

Laut Daten des Naturkundlich-Mykologischen Vereins Trient hat sich der optimale Beginn der Herbstfruchtung von Steinpilzen in 30 Jahren Beobachtung um rund 15–20 Tage nach hinten verschoben – verglichen mit den 1990er Jahren. Zugleich haben sich die produktiven Zeitfenster verkürzt.

 

Menschliche Einflüsse: ein weiterer Grund für pilzarme Wälder

Es fällt schwer, dies zu sagen – aber es muss betont werden: Wälder, die ständigem Betreten ausgesetzt sind, bringen weniger hervor. Die bereits erwähnte Bodenverdichtung ist real – und betrifft nicht nur die Hauptwege, sondern auch die Flächen, auf denen sich Sammler fächerförmig verteilen und jeden Quadratzentimeter Streu zertrampeln. Verdichteter Boden atmet nicht mehr, Wasser versickert nicht, Sauerstoff gelangt nicht hinunter – ein Überleben und Wachstum des Myzels wird nahezu unmöglich.

Hinzu kommt die zerstörerische Erntepraxis: Pilze rücksichtslos herausreißen oder ausgraben schädigt das darunterliegende Myzel. Verwenden Sie stets ein Messer und schneiden Sie den Pilz bodennah ab. Vermeiden Sie Plastikharken zum Aufkratzen des Bodens – diese zerstören Humus und junges Myzel.

Auch die übermäßige Entnahme schadet den Pilzpopulationen. Fruchtkörper setzen beim Reifen Sporen frei; werden alle Pilze – besonders junge – eingesammelt, sinkt die Fortpflanzungsfähigkeit drastisch. Studien deuten darauf hin, dass in Gebieten mit extrem hoher Sammeldichte die durchschnittliche Ernte innerhalb von 5–10 Jahren um 20–30 % zurückgeht. Ein weiterer Grund, stets einige Exemplare – besonders die schönsten und reifsten – zurückzulassen, damit sie sich vermehren können.

 

Umweltverschmutzung: ein weiterer Risikofaktor

Pilze sind bekannte Bioakkumulatoren. Sie nehmen aus Boden und Luft Schwermetalle, radioaktive Substanzen und Schadstoffe auf. Wälder nahe stark befahrener Straßen, landwirtschaftlicher Flächen mit Pestiziden/Düngemitteln oder Industriegebieten können vergiftetes Myzel beherbergen oder potenziell gefährliche Fruchtkörper hervorbringen.

Luftverschmutzung und saurer Regen verändern den Boden-pH-Wert und versauern ihn. Manche Arten verschwinden, andere (oft weniger wertvolle) breiten sich aus. Dieses Phänomen ist im Nordosten Europas weit verbreitet und wird zunehmend auch in einigen Regionen Italiens beobachtet.

 

Keine Pilze? So wählen Sie die richtigen Wälder!

Vor diesem Hintergrund ein praxisnaher Leitfaden, um künftig Enttäuschungen zu vermeiden:

  1. Geologische Karten studieren: Suchen Sie online nach geologischen Karten Ihrer Region. Bevorzugen Sie silikatische (Kies, Sandstein) oder vulkanische Untergründe für Steinpilze. Meiden Sie ausgedehnte reine Kalkgebiete;
  2. Bäume beobachten: Suchen Sie nach alten, artenreichen Mischwäldern: Eichen, Buchen, Kastanien, Haselnusssträucher;
  3. Boden analysieren: Gehen Sie langsam. Weicht der Boden leicht unter Ihren Füßen nach, ist er locker und humusreich – ein gutes Zeichen. Hart wie Asphalt oder matschig wie ein Sumpf? Weiterziehen;
  4. Geschichte recherchieren: Junge, gleichförmige Fichtenwäldchen deuten oft auf Kahlschlag vor 30 Jahren hin. Das Ökosystem ist noch nicht im Gleichgewicht. Suchen Sie lieber Wälder, die seit mindestens 40–50 Jahren unberührt blieben;
  5. Tagebuch führen: Notieren Sie Wetterereignisse und Beobachtungen (z. B.: „Es regnete am X. – Pilze erschienen Y Tage später bei Z °C"). Mit der Zeit erkennen Sie die Rhythmen Ihrer Sammelgebiete;
  6. Wälder respektieren: Bleiben Sie auf Wegen, wo möglich; ernten Sie maßvoll; hinterlassen Sie keinen Müll.

 

Denken Sie daran: Bewusstes Sammeln lehrt uns mit der Zeit, dass die schönsten Pilze oft jene sind, die wir im Wald lassen – damit sie ihren Zyklus vollenden und Ernten für kommende Jahre sichern.

 

 

Setzen Sie Ihre Entdeckungsreise in die Pilzwelt fort

Das Reich der Pilze ist ein stetig wachsendes Universum – mit jährlich neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen über ihre außergewöhnlichen Vorzüge für Darmgesundheit und allgemeines Wohlbefinden. Künftig werden Sie beim Anblick eines Pilzes nicht mehr nur an Geschmack oder Aussehen denken, sondern an das gesamte therapeutische Potenzial, das in seinen Fasern und bioaktiven Verbindungen steckt.

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Die Natur schenkt uns außergewöhnliche Werkzeuge zur Gesunderhaltung. Pilze mit ihrem einzartigen Gleichgewicht zwischen Ernährung und Heilkunde eröffnen eine faszinierende Grenze, die wir erst am Beginn ihrer Erforschung stehen. Folgen Sie uns, um zu entdecken, wie diese bemerkenswerten Organismen Ihre Sicht auf Gesundheit und Wohlbefinden bereichern können.

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